Schöne Tochter

Vorwort

Die Geschichte spielt auf dem Planeten Lygea. Für Kontextverständnis könnt ihr hier eine ganz grobe Übersicht zu den Völkern und der Welt lesen. Bei Interesse, tiefer in die Welt einzutauchen, empfehle ich unsere World Anvil Seite (Noch in Bearbeitung).

20. Dragnai 1025, Das Jahr Aquems

Der Konflikt des vergangenen Tages war bereits in den Hintergrund getreten, als wir Heute mit der Erkenntnis starteten, dass wir so gut wie keine Bitts mehr übrig hatten. Ridley war schockiert darüber, dass die frisch eingenommenen 200 Bitts für die Reparaturen ausgegeben werden mussten. Kurz um entschieden wir uns statt gleich weiter zu fahren, den Tag dafür aufzuwenden, etwas Verdienst zu generieren. Yig-Xud und Ridley gingen in die örtliche Taverne, auf der Suche nach einer Arbeit. Riju schlief überraschender Weise noch tief und fest. Daher machte ich mich daran unsere Last zu sortieren und unter Umständen fände ich noch ein oder zwei Dinge die auf dem Markt uns Bitts einbrächten.

Als ich dies tat, kam Riju aus der Kajüte und leistete mir Gesellschaft. Sie entdeckte den teyanischen Stoff, den ich in Lugo del Visa ersteigerte. Wir unterhielten uns darüber eine Weile, als die beiden Anderen mit einem Auftrag vom schwarzen Brett wieder kamen. Es wurde eine junge Dragnarierin vermisst. Leider versäumten sie es nach der Belohnung zu fragen. Also machten wir uns auf zu dem eigentlichen Auftragsgeber. Unterwegs wollten sie mehr über den Stoff wissen. Sie sahen eine gute Handelsmöglichkeit, doch klärte ich sie auf daraus eine Flagge machen zu wollen. Alle waren stark von der Idee angetan und begannen schon über ein Crewnamen und Wappen nach zu denken.

Wir kamen also schnell bei dem Auftragsgeber namens Konrapier an. Er ist der örtliche Lagerverwalter und nicht gerade Arm, wie man schon an seinem Haus sehen konnte. Er erklärte uns die Situation und brachte uns in das Zimmer seiner vermissten Tochter Lamasella. Es war in Stücken. Ein Loch in der Wand, Richtung Meer, Kritzeleien an der Wand und zerrissene Kleider. Wir besahen und analysierten was wir konnten und holten uns weitere Informationen von Konrapier ein. Riju nahm den Geruch eines Parfüms auf, ich entzifferte die Kritzeleien und Ridley sowie Yig-Xud erkannten, dass keine Fremdeinwirkungen stattfanden und das Loch von Innen geschlagen wurde. Die Krizteleien offenbarten mir den Namen Megulchas und Konrapier erklärte uns, dass es der Schneider sei. Wir entschieden uns zuerst zu ihn zu gehen.

Megulchas schien ein anderes Licht auf die Gesuchte. Er war sehr erbost, als wir den Namen nannten und erklärte, dass Lamasella wohl ein ungehobeltes junges Weib sei. Immer unzufrieden mit seinem Handwerk, trotz guter Arbeit. Zuletzt verweigerte sie sogar die Bezahlung.

Das widersprach dem Bild, das Konrapier uns von seiner Tochter gab. Wir vermuteten Stimmungs-, Gemüts- oder gar komplette Gestalltsverändernde Mystik!

Nun folgten wir der Spur die Riju aufnahm. Konrapier gab uns ein Fläschchen von Lamasellas Parfüm mit, sodass Riju neben all den Stadtgerüchen an der Spur bleiben konnte. Sie führte uns durch ein Schacht zu einer verwüsteten Blumenanlage. Dort sinnierte ein Nerivaner in aller Friedlichkeit. Er sprach kaum dragnarisch, also fragte ich ihn in seiner Heimatsprache, nerivanisch, aus. Leider konnte er uns zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich weiterhelfen, da er weder die Gesuchte sah, noch wer diese Blumenbeete verwüstete. Ridley bestand darauf, dies auch heraus zu finden, da offenbar ein Blumendieb ebenfalls gesucht wurde. Wir verließen den Nerivaner als wir Riju folgten, die die Spur wieder aufnahm. Ich hatte Freude daran mich mit dem Nerivaner auszutauschen. Sie sind so angenehme Wesen. Jedoch sollten wir diesen nicht das letzte Mal begegnet sein.

Yig-Xud und ich schlossen zu Riju und Ridley auf, die bereits über den Markt zu einem Kanaleingang gelangten. Es war sehr finster und ich erinnerte mich an die Spinnen- und Wurmhöhle. Dennoch gingen wir hinein und Riju stieß auf die verschiedensten Gerüche, die in jeweils andere Richtungen führten. Eine Rosenblütenspur führte uns zu einem Skelett, das ein mysteriösen Trank an sich hatte. Später stellte sich heraus, dass es ein Trank der Enttäuschung war. Ein Minzgeruchspur führte uns aber dann zu unserem Ziel. Ein wimmerndes Wesen kauerte mit dem Rücken zu uns. Vorsichtig näherte ich mich diesem und versuchte es auf mich aufmerksam zu machen. Das wurde es auch und es drehte sich zu uns um und kreischte grauenhaft.

Ich wies Yig-Xud an seine Erdhülle um sie herum zu animieren, doch das Wesen durchschlug diese sofort. Wir gerieten in einen kleinen Kampf und brachten sie zu Boden, doch erkannte ich, dass dieses Wesen tatsächlich Lamasella in veränderter Form war.

Wir überlegten kurz, wie wir weiter vorgehen sollten und entschieden herauszufinden, was diese Veränderung verursachen konnte. Wir hatten den Ansatz der Blumen, worauf hin Riju und ich uns zu einem Alchimisten aufmachten. Ridley ging in die Bücherei, um sich zu Körper- und Geistesveränderungen zu belesen. Yig-Xud bewachte Lamasella derweil.

Wir fanden einen Alchimistengeschäft, aber blitzten bei dem sehr alten und vermutlich senilen Besitzer ab. Dennoch konnten wir in Erfahrung bringen, dass mein neuer nerivanischer Freund wohl ein reisender Alchimist war! Wir suchten ihn bei der Blumenanlage und er war tatsächlich noch dort. Vorerst testete ich seine Fähigkeiten und ließ ihn den Trank der Enttäuschung identifizieren. In der Kanalisation benetzte ich meinen Daumen und versuchte seine Wirkung zu schmecken. Er war Pfad und ich empfand Enttäuschung. Demnach war seine Deutung gleich mit meiner Erfahrung. Ich erklärte ihm unsere Situation um Lamasella, aber auch hier konnte er uns nicht viel weiter helfen. Es gäbe Tränke und Kräuter die Gemüter und Körper beeinflussen, aber nicht in diesem Ausmaß. Und auch keine der hier heimischen Pflanzen hätten solch eine Kraft. Ich verabschiedete mich ein zweites Mal mit schwerem Herzen. Aber auf dem Weg zurück zu Lamasella fragte ich Riju, was sie davon hielte den Nerivaner auf unserem Schiff an zu heuern. Immerhin, einen Alchimisten an Bord zu haben wäre von Vorteil. Sie war etwas besorgt, was die Sprachbarriere anging, dennoch war sie dieser Idee nicht abgeneigt. Ich versprach ihr dem Nerivaner schon gutes dragnarisch bei zu bringen.

Wir kamen alle bei Lamasella wieder zusammen und tauschten unsere Erkenntnisse aus. Ridley war etwas erfolgreicher als wir. Offenbar handelte es sich um eine Art Besessenheit. Er schilderte in langem, was er darüber erfahren konnte. In kurz: Besessenheit tritt ein, wenn einen umherirrende Seele, eine Person aus bestimmten Gründen besetzt. Mir fiel dabei das Ritual der Seelenbesänftigung ein. Jedes Volk besaß ein eigenes Ritual. Die Dragnarier badeten die Seelen in bestimmten Bädern. Aber ich habe so etwas noch nie erlebt, geschweige denn durchgeführt. Daher entschieden wir uns Konrapier zu informieren und um Unterstützung zu bitten. Wieder blieb Yig-Xud zurück um wache zu halten.

Dann klärten wir Konrapier über die ganze Situation auf und er veranlasste seine Bediensteten einige Besänfigungserfahrene zusammen zu holen und das Bad vor zu breiten. Ich beauftragte Ridley Yig-Xud und Lamasella sicher Heim zu bringen. Rückblickend hätte ich Riju damit beauftragen sollen. Denn mehrere Stunden vergingen, als die bereits Anwesenden, darunter auch der alte Alchimist aus dem Alchemiegeschäft, unruhig wurden. Das Bad war längst fertig und ich konnte mich über das Ritual ausführlich informieren. Zu guter Letzt, als es langsam ungemütlich wurde, schickte ich Riju los um nach zu sehen, was so lange dauerte. Mindestens eine weitere Stunde verging als einer meiner Crew ankam. Ridley. Allerdings alleine. Er erklärte mir, dass Lamasella wohl widerspenstig wurde und er los ging um ein Schlaftrank zu kaufen, doch wurde er abgewiesen, da er eine ärztliche Bescheinigung für solch ein Trank brauchte. Daher ging er zu einem Arzt und verbrachte dort einige Stunden im Wartezimmer. Doch letztendlich erhielt er seine Bescheinigung, mit der er besagten Trank kaufte. Doch als er zu dem Platz in der Kanalisation kam, war weder Yig-Xud noch Lamasella vor Ort...

Selbst Konrapier zweifelte nun an unserem Versprechen und vermutete einen geschmacklosen Scherz. Ich zog meinen Hut und versprach ihm, bei meiner Kapitänsehre, seine Tochter wieder sicher nach Hause zu bringen. Ich packte mir Ridley und gemeinsam machten wir uns auf die Suche nach den anderen und Lamasella!

Kaum ein paar Minuten nachdem wir das Haus verließen prescht uns Riju, mit einem kruden Strauß Blumen in der Hand, entgegen. Die besessene Lamasella im Schlepptau. Wir eilten ihr hinterher als Riju an uns vorbei zischte. Sie trat die Tür des Hauses ein und landete hinter dem Bad. Die Anwesenden waren sichtlich erschrocken. Besonders als die Besessene in das Haus platzte. Alle flohen vor Panik. Das war offensichtlich nicht das, was sie erwarteten. Doch Konrapier erkannte seine Tochter und näherte sich ihr. Trotz meines Warnens kam er ihr immer näher und sie griff ihn natürlich an. Er war bewusstlos, als wir ihr den Ausgang versperrten. Riju versuchte sie mit den Blmen zu locken und wandte ein Ton an, den ich bei ihr zuvor nicht kannte. Zu meiner Überraschung war Lamasella ihr gehörig gewesen. Ich nutzte die Situation und animierte das Badewasser und zog das Wesen hinein. Meine Besänftigung beruhigte sie so, dass Ridley ihr den Schlaftrank verabreichen konnte.

Ich muss tatsächlich sagen, trotz der vorangegangen Missorganisation, war diese Situation sehr gut koordiniert.

Ich weckte Konrapier mit etwas Badewasser und half ihn zu seiner Tochter. Ridley und ich wachten über diese beiden, als Riju nach dem Alchimisten suchte. Nicht viel später kam sie nicht nur mit diesem wieder, sondern auch mit Yig-Xud und einem anderem alten Forasier namens Tora. Dieser war ein Spezialist was Besessene anging. Er erklärte uns, dass das Bad hilfreich wäre, aber nicht die Heilung versprach. Doch er versicherte uns, dass er Lamasella zurück verwandeln konnte.

Und so versammelten sich die anwesenden Dragnarier um das Bad herum (auch ich), schlossen die Hände ineinander, lösten das nach einer Weile und wir begannen das Zischen. Der Alchimist begann Ves zu preisen und einer nach dem anderen brachte seinen Dank dar. Währendessen fing das Wasser an zu leuchten und trotz der Bewegung Lamasellas war das Wasser still. Lamasella und auch ihr Vater, der sie während des Ganzen hielt, wurden ruhig und entspannt. Damit war das Seelenbadritual beendet und alle Teilnehmer verließen würdevoll in Stille das Haus. Nur Konrapier, Lamasella, Tora, ich und meine Crew blieben.

In Stille rieb Tora Lamasella etwas unter die Nase und wies Konrapier an ihr zu sagen, dass sie die Schönste sei. Das tat er auch mit einer Herzens tiefsten Ehrlichkeit, die nur ein Vater für eine Tochter aufbringen konnte. Und dann veränderte sich tatsächlich die Form der Besessenen zu dem jungen Mädchen Lamasella. Voller Freude umarmte Konrapier sein Kind und wir entschieden die beiden in ihrer Zweisamkeit zurückzulassen.

Wir gingen zurück zur Predacésso und brachten den Tag zu Ende. Ich bereitete der Crew ein würdiges Mahl und wir besprachen den nächsten Tag. Wir wollten Konrapier und Lamasella noch etwas Zeit geben, bevor wir sie mit der Bezahlung belästigen. Also dachten wir uns, dass wir den Morgen mit weiteren Besorgungen füllen und am Nachmittag dann gemeinsam die Beiden besuchen gehen.

Immerhin muss ich morgen noch einen nerivanischen Alchimisten rekrutieren!

-Kapitän Quonda

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